„Wer ein Leben rettet... “





Ein ganz besonderer Ort für einen ganz besonderen Tag: Zum ersten Mal fand die Zeugnisausgabe der Pflegeschule des Städtischen Klinikums Dessau in der traditionsreichen Marienkirche am Schlossplatz statt. Dort, wo sonst das Ensemble des Mitteldeutschen Theaters um Dieter Hallervorden auftritt, wurden am Donnerstag 39 examinierte Pflegefachfrauen und -männer der Jahrgänge 2022 A und 2022 B feierlich in ihr Berufsleben verabschiedet.
Rund drei Stunden lang feierten die Absolventinnen und Absolventen gemeinsam mit ihren Familien, Freunden, Lehrkräften und Ehrengästen einen emotionalen Festakt, der von Musik, Dankesworten, bewegenden Ansprachen und schließlich der feierlichen Zeugnisübergabe geprägt war.
Die musikalische Begleitung verlieh der Feier besondere Farbe: Von Max Raabes „Guten Tag, liebes Glück“ über eine kraftvolle Neuinterpretation des Klassikers „Seven Nation Army“ der White Stripes bis hin zum gefühlvollen „Zeit zu gehen“ von Unheilig – die Musik spiegelte die Emotionen zwischen Freude, Stolz und Abschied wider. Immer wieder waren Tränen der Rührung zu sehen, doch ebenso viel Applaus und Jubel.
„Ein Fundament für die Zukunft“
Die Moderation übernahmen Ute Scholz, Leiterin der Pflegeschule, und Henning Flade. Scholz eröffnete die Feier mit eindrücklichen Worten: „Wir feiern hier an einem Ort der Beständigkeit. Die Kirche überstand seit 1523 viele Stürme und steht noch immer. Sie ist ein Spiegelbild für eine Ausbildung – man investiert Zeit, übersteht Höhen und Tiefen, und am Ende entsteht etwas Bleibendes: ein Fundament für die Zukunft.“
Worte der Wertschätzung
In seiner Ansprache richtete Bjoern Saft, 1. Betriebsleiter und Verwaltungsdirektor des Klinikums, den Blick auf die Zukunft: „Findet in den kommenden Wochen und Monaten euren eigenen Stil. Ihr tragt jetzt Verantwortung.“ Besonders freute er sich, dass 23 Absolventinnen und Absolventen ihre berufliche Laufbahn direkt im Klinikum Dessau beginnen werden. „Unser Haus erlebt unruhige Zeiten, aber wir wollen das Klinikum in die Zukunft führen – für die Stadt, für die Region, für unsere Patienten. Seien Sie stolz auf Ihren Beruf!“
Auch der Ärztliche Direktor, Prof. Christoph U. Herborn, rief die Absolventinnen und Absolventen dazu auf, ihr erworbenes Wissen mit Verantwortung einzusetzen: „Besinnen Sie sich auf das, was Sie gelernt haben – sowohl auf die guten als auch auf die schwierigen Erfahrungen. Machen Sie es besser, für sich und Ihre Kolleginnen und Kollegen. Damit machen Sie auch die Ihnen anvertrauten Menschen ein Stück glücklicher.“
Oberbürgermeister Dr. Robert Reck griff in seiner Rede auf Florence Nightingale zurück: „Pflege ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe und Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers.“ Zugleich machte er den Absolventinnen und Absolventen Mut, indem er betonte, dass Pflegekräfte in einer schnelllebigen Zeit gefragter denn je seien. „Sie müssen sich keine Sorgen um Ihre berufliche Zukunft machen. Pflegekräfte werden gebraucht und sind begehrt.“
Besonders bewegend waren seine abschließenden Worte, als er mit Blick auf die Bedeutung des Pflegeberufs das Leitmotiv der Feier zitierte: „Wer ein Leben rettet, der ist ein Held, der 100 Leben rettet, der arbeitet in der Pflege.“
Auch die Beigeordnete für Soziales, Bildung, Jugend und Senioren der Stadt Dessau- Roßlau, Eter Hachmann, wandte sich sehr persönlich an die Anwesenden. Sie sprach nicht nur den Absolventinnen und Absolventen Dank und Respekt aus, sondern auch jenen, die die Prüfungen im ersten Anlauf nicht bestanden haben: „Es geht im Leben nicht nur um Noten, sondern darum, dass man kämpft und durchhält.“ Mit Verweis auf Albert Einstein, der selbst Prüfungen wiederholen musste, sprach sie Mut zu: „Sie werden daraus lernen, weil Sie kämpfen. Und genau das wird Sie stark machen – für den Umgang mit schwerkranken Menschen, mit Angehörigen und für die schweren Gespräche, die dieser Beruf mit sich bringt.“
Die CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Anja Schneider würdigte die Leistung der Absolventinnen und Absolventen und betonte, dass Pflege die Gesellschaft zusammenhalte und unverzichtbar für das soziale Miteinander sei.
Auszeichnungen, Zeugnisse und Graduations-Hüte in der Luft
Nach den Ansprachen sorgten die „Pflegeschul-Awards“ für eine aufgelockerte Atmosphäre, ehe die offizielle Übergabe der Zeugnisse begann. Mit viel Applaus nahmen die 39 Absolventinnen und Absolventen ihre Abschlussdokumente entgegen – sichtbar erleichtert, stolz und dankbar.
Mit großem Applaus und Blumen wurden auch die Lehrer und Praxisanleiter geehrt – denn sie, so betonte Michaela Ewald, Pflegedienstleiterin des Städtischen Klinikums Dessau, tragen mit ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer Leidenschaft entscheidend zum Erfolg der Ausbildung bei.
Zum Finale der Feier wurde es noch einmal laut und ausgelassen: Mit dem traditionellen Graduations-Hüte-in-die-Luft-Werfen endete die Veranstaltung und machte allen Anwesenden deutlich – die drei intensiven Ausbildungsjahre sind geschafft, der Weg in ein neues Kapitel ist eröffnet.
Für die Absolventinnen und Absolventen der Pflegeschule am Städtischen Klinikum Dessau begann damit ein neuer Lebensabschnitt – voller Verantwortung, voller Herausforderungen, aber auch voller Perspektiven und Chancen.