Spurensicherung nach häuslicher Gewalt: Nun auch im Klinikum

Das Städtische Klinikum Dessau ist neuer Partner im landesweiten „Netzwerk Evidence“. Damit erweitert das Klinikum sein Angebot für Menschen, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind. In der Zentralen Notaufnahme besteht nun die Möglichkeit, medizinische Spuren und Befunde rund um die Uhr vertraulich und gerichtsmedizinisch fundiert sichern zu lassen. Die Beweise gehen an das Institut für Rechtsmedizin in Halle, wo sie für 30 Jahre archiviert werden. Projektkoordinatorin Dr. med. Carolin Richter: “Dadurch gewinnt das Opfer zunächst einmal Zeit. Denn oft ist es ein langer Weg, bis sich Betroffene zu einer Anzeige durchringen. Lediglich in zehn Prozent der Fälle zeigen Opfer häuslicher Gewalt die Tat tatsächlich an.”
„Menschen, die Gewalt erfahren haben, benötigen in erster Linie medizinische Hilfe, Schutz und eine verlässliche Anlaufstelle. Mit der Teilnahme am Netzwerk Evidence können wir Betroffene nun umfassend versorgen und gleichzeitig Beweise sichern, die später von großer Bedeutung sein können“, sagt Sebastian Fromm, Leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme des Städtischen Klinikums.
Für die vertrauliche Spurensicherung wurde das medizinische Personal speziell geschult. Standardisierte Spurensicherungssets ermöglichen eine umfassende Dokumentation von Verletzungen und anderen gerichtsmedizinisch relevanten Befunden. Die Beweise können nur mit dem Einverständnis der betroffenen Person an die Ermittlungsbehörden weitergegeben werden.
Die vertrauliche Spurensicherung bietet Betroffenen einen wichtigen Vorteil: Sie müssen nicht unmittelbar nach einem belastenden Erlebnis über eine Strafanzeige entscheiden. Gleichzeitig bleiben mögliche Beweise erhalten, falls sie sich zu einem späteren Zeitpunkt für rechtliche Schritte entscheiden.




