Roboterassistierte Urologie: Meilenstein bei Tumoroperationen

Die Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie des Städtischen Klinikums Dessau hat einen weiteren wichtigen Meilenstein in der roboterassistierten Chirurgie erreicht. Erstmals wurde ein besonders komplexer Eingriff zur Behandlung eines Tumors im Nierenbecken und Harnleiter vollständig mit Unterstützung des Operationsroboters über einen speziellen Zugangsweg durchgeführt. Das Verfahren eröffnet insbesondere Patienten mit einer komplizierten medizinischen Vorgeschichte neue Möglichkeiten für eine schonende Behandlung.
Wie wichtig diese Weiterentwicklung für einzelne Patienten sein kann, zeigt der Fall von Frau R. Die 82-jährige Dessauerin war mit einem bösartigen Tumor im Nierenbecken und im oberen Abschnitt des Harnleiters in die Klinik gekommen. Bei dieser Tumorart ist es in der Regel notwendig, die betroffene Niere, den gesamten Harnleiter und einen kleinen Teil der Harnblase zu entfernen, um den Krebs vollständig zu beseitigen.
Die Operation war in diesem Fall besonders anspruchsvoll. Die Patientin hatte bereits mehrere größere Eingriffe im Bauchraum hinter sich, darunter Operationen an Leber und Unterleib sowie eine überstandene Bauchfellentzündung. Zusätzlich bestand ein ausgeprägter Bauchwandbruch. Solche Voroperationen führen häufig zu Verwachsungen im Bauchraum, die einen herkömmlichen Zugang deutlich erschweren und das Risiko von Komplikationen erhöhen können.
Um dieses Risiko zu vermeiden, entschied sich das Operationsteam für einen besonderen Zugangsweg: Statt durch die Bauchhöhle wurde der Eingriff über den Raum hinter dem Bauchfell durchgeführt. Dadurch konnten die Verwachsungen umgangen werden. Mithilfe des Operationsroboters gelang es, die gesamte Operation – einschließlich der Entfernung eines kleinen Anteils der Harnblase – sicher und ohne Komplikationen durchzuführen.
„Die roboterassistierte Chirurgie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Heute können wir auch Patienten mit schwierigen anatomischen Voraussetzungen oder nach mehreren Voroperationen Eingriffe anbieten, die früher deutlich belastender gewesen wären. Der Zugang über den Raum hinter dem Bauchfell erweitert unsere operativen Möglichkeiten und ermöglicht es uns, auch in anspruchsvollen Situationen besonders präzise und gewebeschonend zu operieren. Unser Anspruch ist es, innovative Verfahren dort einzusetzen, wo sie unseren Patienten einen echten medizinischen Mehrwert bieten“, sagt Arturo Rivera Mejia, Chefarzt der Klinik für Urologie, Kinderurologie und urologische Onkologie.
„Gerade bei dieser Patientin war die sorgfältige präoperative Planung entscheidend. Durch den Zugang über den Raum hinter dem Bauchfell konnten wir die ausgeprägten Verwachsungen umgehen und den Eingriff sicher durchführen. Solche Operationen gelingen nur, wenn Erfahrung, moderne Technik und ein hervorragend eingespieltes OP-Team perfekt zusammenspielen. Dass wir die komplette Nephroureterektomie mit Teilentfernung der Harnblase roboterassistiert und ohne Komplikationen durchführen konnten, ist eine starke Teamleistung“, erklärt Oberarzt Pavel Kovelenov.
Das Städtische Klinikum Dessau setzt den Operationsroboter seit mehreren Jahren erfolgreich bei Eingriffen an Prostata, Niere und Harnblase ein. Durch die stetige Weiterentwicklung der Operationsverfahren profitieren inzwischen auch Patienten mit schwierigen anatomischen Voraussetzungen oder umfangreichen Voroperationen von den Vorteilen der roboterassistierten Chirurgie. Dazu gehören unter anderem eine besonders präzise Arbeitsweise, kleinere Schnitte, eine geringere Belastung des Körpers und häufig eine schnellere Erholung nach der Operation.
Für Frau R. hatte die erfolgreiche Behandlung noch eine besondere Bedeutung: Bereits sechs Tage nach der Operation konnte die 82-jährige Dessauerin das Klinikum an ihrem Geburtstag in gutem Allgemeinzustand verlassen.
Der Eingriff wurde von Oberarzt Pavel Kovelenov gemeinsam mit Physician Assistant Christoph Fessel und dem erfahrenen OP-Team durchgeführt. Für die Urologie des Städtischen Klinikums ist die erfolgreiche Operation ein weiterer wichtiger Schritt bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung moderner, möglichst schonender Behandlungsmethoden.
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