Patientenakademie: Mehr als 100 Besucher beim „Kreuz-Verhör“




Die Cafeteria des Städtischen Klinikums Dessau war bis auf den letzten Platz gefüllt: Mehr als 100 Besucher kamen zur aktuellen Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“, um sich beim „Kreuz-Verhör – Was der Rücken uns sagen will“ über Rückenschmerzen und moderne Behandlungsmöglichkeiten durch Ärzte des Wirbelsäulenzentrums informieren zu lassen.
Der große Zuspruch zeigte eindrucksvoll, wie viele Menschen das Thema betrifft. Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt. Entsprechend groß war das Interesse an verständlichen Informationen, medizinischer Orientierung und konkreten Hilfestellungen für den Alltag. Bereits während der Vorträge wurden eifrig Notizen gemacht, Präsentationsfolien fotografiert und Fragen gesammelt.
Auf dem Programm standen drei Fachvorträge, die das Thema Rückengesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten. Oberarzt Oleksander Pichkur, Facharzt für Neurochirurgie und Co-Leiter des Wirbelsäulenzentrums, sprach über die Frage „Rückenschmerzen: harmlos oder Warnsignal?“. Dr. med. Balázs Szirtes, Facharzt für Orthopädie und ebenfalls Co-Leiter des Zentrums, widmete sich unter dem Titel „Präzision statt großer Schnitt: Die alternde Wirbelsäule im Fokus“ modernen Behandlungsmöglichkeiten bei Verschleiß und Instabilitäten der Wirbelsäule. Oberarzt Dr. med. Uwe Planitzer, Facharzt für Neurochirurgie, zeigte schließlich in seinem Vortrag „Wenn nichts mehr hilft: Wege aus dem chronischen Schmerz“ neue Perspektiven für Menschen mit langanhaltenden Beschwerden auf.
Für einen besonderen Aha-Moment sorgte dabei vor allem Oleksander Pichkur. Mit einer ebenso überraschenden wie einprägsamen Erklärung schlug er die Brücke zwischen Rückengesundheit und Raumfahrt. „Warum wir alle irgendwann Astronauten sind“, lautete eine der Botschaften seines Vortrags. Was zunächst nach Science-Fiction klang, hatte einen ernsten medizinischen Hintergrund: Im Weltall fehlt die Schwerkraft, die Bandscheiben dehnen sich aus und Astronauten werden tatsächlich einige Zentimeter größer. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko für Rückenbeschwerden und Bandscheibenprobleme. Die Parallele zum Alltag war schnell gezogen: Wer sich dauerhaft schont, zu wenig bewegt oder viele Stunden sitzend oder liegend verbringt, tut seinem Rücken überhaupt keinen Gefallen.
Die zentrale Botschaft des Nachmittags war deshalb klar: Bewegung bleibt die beste Medizin. Nicht jede Rückenschmerzepisode ist ein Grund zur Sorge, doch der Rücken braucht Aktivität, um langfristig gesund zu bleiben. Gleichzeitig erfuhren die Besucher, welche Warnsignale ärztlich abgeklärt werden sollten und wie sich Beschwerden oft schon durch kleine Veränderungen im Alltag positiv beeinflussen lassen.
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung erhielten die Gäste einen Einblick in die moderne Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen. Oberarzt Dr. med. Balázs Szirtes stellte aktuelle konservative und operative Therapieverfahren vor und zeigte anhand anschaulicher Beispiele, welche Möglichkeiten heute bei Verschleißerkrankungen, Instabilitäten oder Wirbelkörperfrakturen zur Verfügung stehen. Besonderes Augenmerk legte er auf das Thema Osteoporose, die oft lange unbemerkt bleibt und erst durch schmerzhafte Knochenbrüche auffällt.
Mit großem Interesse verfolgten die Besucher zudem den Vortrag von Oberarzt Dr. med. Uwe Planitzer, der sich den Herausforderungen chronischer Schmerzen widmete. Dabei wurde deutlich, dass moderne Schmerzmedizin weit mehr umfasst als Medikamente. Vorgestellt wurden unter anderem innovative Verfahren wie die Rückenmarkstimulation, bei der gezielte elektrische Impulse helfen können, chronische Schmerzsignale abzuschwächen und Betroffenen wieder mehr Lebensqualität zu ermöglichen.
Wie groß der Informationsbedarf rund um das Thema Rückengesundheit ist, zeigte sich insbesondere nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung. Vor den Referenten bildeten sich lange Schlangen. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit für persönliche Gespräche, individuelle medizinische Einschätzungen durch die anwesenden Ärzte oder die Vereinbarung eines Termins in der Fachambulanz des Klinikums.
Die Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“ machte damit einmal mehr deutlich, dass moderne Medizin nicht nur aus Diagnostik und Therapie besteht. Sie lebt vom Dialog, vom verständlichen Vermitteln medizinischen Wissens und davon, Menschen mit ihren Fragen und Sorgen ernst zu nehmen. Genau das erlebten die Besucher an diesem Nachmittag im Klinikum Dessau – und genau deshalb blieb die Cafeteria noch lange nach dem letzten Vortrag gut gefüllt.
Die nächste Patientenakademie steht bereits bevor: Im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche lädt das Städtische Klinikum Dessau am 18. Juni von 15 bis 17 Uhr zur Veranstaltung „Operative Hilfe bei Inkontinenz bei Mann und Frau“ in die Cafeteria ein.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Neben verständlichen Fachvorträgen besteht die Möglichkeit, individuelle Fragen mit den Experten zu besprechen und bei Bedarf Termine zu vereinbaren.




