Patientenakademie informiert über Krebserkrankungen der Bauchorgane





Trotz frühlingshaften Wetters folgten am Mittwochnachmittag rund 90 Interessierte der Einladung zur Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“ ins Klinikum. Unter dem Titel „Krebserkrankungen der Bauchorgane“ vermittelten erfahrene Fachärzte aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik, Therapie und Prävention – verständlich, praxisnah und im direkten Dialog mit dem Publikum.
Die Begrüßung übernahm der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. med. Christoph U. Herborn. Mit einem Augenzwinkern lobte er die Anwesenden dafür, trotz des schönen Wetters den Weg ins Klinikum gefunden zu haben. Gleichzeitig betonte er den besonderen Mehrwert der Veranstaltungsreihe: „Medizin am Mittwoch bietet die Möglichkeit, direkt mit Ärzten und ausgewiesenen Fachexperten ins Gespräch zu kommen – und bei Bedarf sogar konkrete Termine zu vereinbaren.“ Gerade bei komplexen Themen wie Krebserkrankungen der Bauchorgane sei dieser persönliche Austausch von großer Bedeutung.
Den Auftakt der Fachvorträge machte Dr. med. Jens-Uwe Jetschmann, Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Mit seinem Beitrag „Darmkrebs geht mich nichts an – ich bekomme eh keinen“ räumte er mit verbreiteten Fehleinschätzungen auf. Tatsächlich erkrankt etwa jeder 17. Deutsche im Laufe seines Lebens an Darmkrebs – der zweithäufigsten Krebserkrankung in Deutschland.
Darmkrebs sei, so Jetschmann, in vielen Fällen vermeidbar oder heilbar, wenn er früh erkannt wird. Zentrale Risikofaktoren sind genetische Veranlagung, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Ernährungs- und Lebensgewohnheiten – insbesondere Tabak- und Alkoholkonsum.
Im Mittelpunkt der Ausführungen stand die Darmspiegelung (Koloskopie) als Goldstandard der Früherkennung. Neben ihren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten stellte er auch alternative Verfahren wie die Kapselendoskopie und Bluttests vor. Dabei betonte er, dass im Rahmen der Koloskopie nicht nur untersucht, sondern auch direkt eingegriffen werden kann: Gewebeproben (Biopsien) und die Entfernung von Polypen (Polypektomie) sind unmittelbar möglich. Sein Fazit: Regelmäßige Vorsorge kann Darmkrebs und seine Vorstufen häufig rechtzeitig erkennen.
Im zweiten Vortrag widmete sich Dr. med. Ulrike Fischer, Oberärztin und Leiterin der Endokrinologie, der Diagnostik neuroendokriner Tumoren. Diese seltenen Tumoren stellen aufgrund ihrer oft unspezifischen oder fehlenden Symptome eine besondere Herausforderung dar. Dr. Fischer erläuterte, warum sie häufig erst spät entdeckt werden und welche Rolle moderne diagnostische Verfahren dabei spielen.
Den Abschluss bildete Prof. Dr. med. Gerhard Behre, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Leiter des Onkologischen Zentrums, mit einem Überblick über moderne Immuntherapien. Diese aktivieren das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Krebszellen und eröffnen neue Dimensionen an Behandlungsmöglichkeiten.
Gleichzeitig können die bei der Therapie eingesetzten Medikamente nicht nur die Krebszellen sondern auch gesundes Gewebe angreifen. Diese Nebenwirkungen sind vielfältig und erfordern eine sorgfältige Abklärung. In den meisten Fällen lassen sie sich gut behandeln, etwa durch den Einsatz von Kortison. Prof. Behre betonte die Bedeutung der frühzeitigen Erkennung und fasste zusammen: „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung – aber mit dem richtigen Wissen lassen sich die Risiken gut beherrschen.“
Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung verständlicher medizinischer Information und des direkten Austauschs. „Medizin am Mittwoch“ hat sich damit erneut als etablierte Plattform für Information, Prävention und persönliche Beratung bestätigt.
Im Anschluss nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den anwesenden Ärzten. In kleineren Gesprächsrunden konnten individuelle Fragen geklärt und Anliegen besprochen werden. Auch Termine wurden direkt über die interdisziplinäre Fachambulanz vereinbart. Besucher berichteten, bereits zum zweiten oder dritten Mal dabei zu sein. Die Veranstaltungsreihe werde als informativ wahrgenommen und findet im regionalen Umfeld erkennbar Anklang.
Im Mai wird die Reihe „Medizin am Mittwoch“ fortgesetzt. Dann steht das Thema „Moderne OP-Verfahren in der Urologie“ im Mittelpunkt. Vorgestellt werden innovative Behandlungsmethoden, die sich durch hohe Präzision, minimalinvasive Techniken und verkürzte Genesungszeiten auszeichnen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.




