Leukämie-Patient gewinnt Kampf gegen Krebs


Für Karl-Heinz Kober ist der erste Samstag im Mai ein ganz besonderer Tag. Nach acht Monaten im Städtischen Klinikum, in denen er zwischenzeitlich dem Tod so nahe war, dass er bereits die Lieder für seine Beerdigung aussuchte, wurde er nun geheilt entlassen.
Begonnen hatte die Leidensgeschichte am 13. September vergangenen Jahres. Auf der Feier seines 70. Geburtstags mit Freunden und Verwandten in einem Wörlitzer Restaurant bekam der Wolfener plötzlich heftige Magen-Darm-Schmerzen und ließ sich in die Dessauer Notaufnahme einliefern. Für Kober eine gänzlich neue Erfahrung: „Ich musste noch nie in meinem Leben ins Krankenhaus.“
Bereits zwei Stunden später lagen die Ergebnisse der Blutuntersuchung vor und die hatten es in sich: Kober hatte keine Magen-Darm-Erkrankung, sondern Leukämie. Genauer Akute Myeloische Leukämie (AML), eine schnell fortschreitende bösartige Erkrankung des Knochenmarks, bei der unreife Blutzellen die normale Blutbildung verdrängen. Ein Schock für den agilen Projektentwickler, der nach wie vor voll berufstätig war.
AML erfordert eine sofortige Behandlung. Kober entschied sich nach Vorstellung bei einem zweiten Arzt der Unimedizin Leipzig wegen der vielfältigen Risiken gegen eine Knochenmarktransplantation und für die Therapie im Klinikum Dessau. „Zum Glück“, so Prof. Dr. med. Behre, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Leiter des Onkologischen Zentrums, „hat es in diesem Bereich mit den zielgerichteten Therapien, bei denen Medikamente die molekularen Veränderungen angreifen, bahnbrechende Fortschritte gegeben. Diese sogenannten FLT3-Inhibitoren sind erst seit 2018 für die Behandlung für Leukämie zugelassen.“
Fortan schluckte Kober einmal täglich eine Tablette, die das Wachstum der Krebszellen unterbinden soll. Doch damit war es nicht getan. Parallel dazu begann eine intensive Chemotherapie, die die Leukämiezellen zerstören soll. Da gleichzeitig das Immunsystem durch die Leukämie stark angegriffen war, war ein stationärer Aufenthalt notwendig. Kober entschloss sich für einen Umzug in die Hotelstation. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Hier kann der Körper mit seiner Krankheit zur Ruhe kommen.“ Die erste Chemotherapie überstand der Ingenieur noch relativ gut. Mit der zweiten wurde er zeitweise zum Pflegefall. Aufgrund anhaltenden Durchfalls war er ans Bett gefesselt. Aber der 70-Jährige erwies sich als Kämpfer: „Den Kopf in den Sand zu stecken, ist nicht meins.“ Am Ende überstand er mehr als 100 Infusionen.
Regelmäßig gab es Knochenmarkpunktionen, um Gewissheit zu haben, dass die Behandlung anschlägt und die Leukämiezellen zurückgehen. Das war zum Glück der Fall. Für Kober war am Anfang der Kontrollverlust das Schwierigste. „Ich habe viel hinterfragt und dabei die Erfahrung gemacht, dass Ärzte und Pfleger immer auf mich eingegangen sind. Das hat mir geholfen, Vertrauen aufzubauen.“ Besonders dankbar ist Kober auch für die „Menschlichkeit, Fürsorge und Zuwendung“ der Pflegenden, die er auf den Stationen 16 und 17 erfahren hat.
Überhaupt schätzte der Patient den interdisziplinären, ganzheitlichen Ansatz im Onkologischen Zentrum. Aufgrund des angegriffenen Immunsystems sind andere Entzündungsherde während der Chemotherapie nicht ungewöhnlich. Bei Kober traf es den Mund, wo sich unter einer Zahnbrücke eine Zyste bildete. Das Klinikum kooperiert mit der Zahnartpraxis Dr. Hundeshagen. Innerhalb von einem Tages hatte Kober dort einen Termin, zehn Minuten nach dem Eintreffen saß er trotz vollem Wartezimmer bereits auf dem Behandlungsstuhl.
Die behandelnde Ärztin Dr. med. Anke Rockstroh gefiel an ihrem Langzeitpatienten, dass er immer mitgemacht und dabei stets positiv geblieben sei. Das hat sich ausgezahlt. Bei der letzten Knochenmarkpunktion, lautete das erlösende Ergebnisse: Keine Krebszellen mehr im Blut. Um Rückschläge zu verhindern, muss Kober das Inhibitoren-Medikament noch ein Jahr weiternehmen, aber die auslaugende Zeit der Chemotherapie ist endlich vorbei.
Kober macht schon fleißig Pläne für die Zukunft. Im Juli nach der dreiwöchigen Reha plant er ein Dankeschön-Fest mit seinen Lieben. Und im September will er wieder auf dem Golfplatz stehen. Zum Schluss des Gesprächs ist Kober noch eines wichtig: „Das Klinikum hat für die medizinische Versorgung der Region eine große Bedeutung. Es bietet den Patienten eine hohe Sicherheit in punkto Erkennen und Behandeln von schweren Erkrankungen wie Krebs. Wir können froh sein, in unserer Region mit dem Klinikum einen so breit aufgestellten Maximalversorger zu haben.“




