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Knapp 70 Besucher informieren sich über Darmkrebs und Hernien

Trotz hochsommerlicher Temperaturen stieß die Patientenveranstaltung „Medizin am Mittwoch“ im Städtischen Klinikum Dessau auf großes Interesse. Knapp 70 Besucher informierten sich über moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs sowie Leisten- und Narbenbrüchen. Erstmals präsentierten sich das Darmkrebszentrum und das Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie gemeinsam einer interessierten Öffentlichkeit. Prof. Dr. med. Peter Würl und Dr. med. Thomas Schulze gaben dabei verständliche Einblicke in Diagnostik, Therapie und Nachsorge und beantworteten zahlreiche Fragen.

„Wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich so viele Menschen trotz Temperaturen jenseits von 35 Grad auf den Weg zu uns gemacht haben“, begrüßte Prof. Würl die Besucher. Dass einige Mitglieder der Selbsthilfegruppe ihre Teilnahme hitzebedingt kurzfristig absagen mussten, tat der positiven Resonanz keinen Abbruch. Mit Matthias Eichelbaum von der Deutschen ILCO, der Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs, war zudem ein erfahrener Vertreter der Selbsthilfe vor Ort, der den Teilnehmern für Gespräche und Fragen zur Verfügung stand.

Den Auftakt machte Prof. Würl mit einem Einblick in die Arbeit des Darmkrebszentrums. Er erläuterte, dass die Behandlung auf der engen Zusammenarbeit zahlreicher Fachdisziplinen basiert. Chirurgen, Gastroenterologen, Onkologen, Radiologen, Pathologen, Strahlentherapeuten und weitere Spezialisten beraten jeden einzelnen Fall gemeinsam in einer interdisziplinären Tumorkonferenz, um für jeden Patienten den individuell besten Behandlungsweg festzulegen.

Ein wesentlicher Baustein dieser Versorgungsqualität sei die regelmäßige Zertifizierung des Darmkrebszentrums durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), erklärte Prof. Würl. Diese bestätige, dass Diagnostik, Therapie und die Zusammenarbeit aller beteiligten Fachdisziplinen hohen bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards entsprechen und regelmäßig von unabhängigen Experten überprüft werden. Gleichzeitig verfüge das Zentrum über eine große operative Erfahrung: Allein im vergangenen Jahr wurden am Städtischen Klinikum Dessau 194 größere Eingriffe am Dickdarm und 103 am Enddarm durchgeführt. Für die Patienten bedeute dies eine Behandlung, die sowohl auf langjähriger Erfahrung als auch auf überprüften Qualitätsstandards basiert.

Die Versorgung ende nicht mit einer Operation, betonte Prof. Würl. Zum Netzwerk des Darmkrebszentrums gehören unter anderem die Psychoonkologie, die Stomatherapie, die Physiotherapie, der Sozialdienst, die Rehabilitation sowie Selbsthilfegruppen, die Betroffene und ihre Angehörigen auf ihrem weiteren Weg unterstützen.

Anschaulich erläuterte Prof. Würl außerdem die Entstehung von Darmkrebs und machte deutlich, welche entscheidende Rolle die Früherkennung spielt. Darmkrebs entwickelt sich häufig über mehrere Jahre aus zunächst gutartigen Veränderungen der Darmschleimhaut.  Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer sind in der Regel die Heilungschancen und desto häufiger können schonende minimalinvasive oder roboterassistierte Operationsverfahren eingesetzt werden. Mit einem Augenzwinkern nahm Prof. Würl dabei die anwesenden Männer in den Blick. Sie würden Vorsorgeuntersuchungen noch immer deutlich seltener wahrnehmen als Frauen – dabei könne gerade die rechtzeitige Vorsorge auch ihr Leben retten.

Im zweiten Vortrag widmete sich Dr. med. Thomas Schulze der Behandlung von Leisten- und Narbenbrüchen. Hernien gehören zu den häufigsten chirurgischen Erkrankungen überhaupt. Etwa jeder vierte bis fünfte Bundesbürger entwickelt im Laufe seines Lebens eine Schwachstelle der Bauchwand. Gleich zu Beginn räumte Dr. Schulze mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Dass eine Hernie nicht von allein heilt, bedeutet nicht automatisch, dass sie sofort operiert werden muss.“

Ob und wann ein Eingriff sinnvoll ist, werde stets individuell entschieden, erklärte Dr. Schulze. Maßgeblich seien dabei die Beschwerden, die Art und Größe des Bruchs sowie der allgemeine Gesundheitszustand. „Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Operationen durchzuführen. Gemeinsam mit dem Patienten wollen wir die Behandlung finden, die medizinisch sinnvoll ist und am besten zu seiner persönlichen Situation passt.“

Auch das Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie des Städtischen Klinikums Dessau lässt seine Arbeit regelmäßig überprüfen. Es wird von der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) als Kompetenzzentrum zertifiziert. Diese Auszeichnung erhalten ausschließlich Kliniken, die eine hohe Spezialisierung, umfangreiche Erfahrung und dauerhaft gute Behandlungsergebnisse nachweisen. Für Patienten bedeutet dies die Sicherheit, nach aktuellen wissenschaftlichen Standards und auf Grundlage überprüfter Qualität behandelt zu werden.

Dass diese Qualitätsansprüche auch in der Praxis erreicht werden, zeigen die Behandlungsergebnisse. Bei Leistenhernien lag die Komplikationsrate des Klinikums zuletzt bei 2,44 Prozent und damit unter dem Vergleichswert anderer zertifizierter Zentren von 3,32 Prozent in Deutschland. Auch die Reoperationsrate fiel mit 0,65 Prozent deutlich niedriger aus als der Vergleichswert von 1,10 Prozent. Bei offenen Narbenhernienoperationen lag die Rate an Wundheilungsstörungen und Infektionen mit 2,56 Prozent ebenfalls deutlich unter dem bundesweiten Vergleichswert von 6,39 Prozent.

Wie groß das Interesse an den beiden Themen war, zeigte sich nicht nur während der Vorträge. Bereits nach jedem Vortrag nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an die Referenten zu richten. Im Anschluss nahmen sich Prof. Würl und Dr. Schulze bei den traditionellen „Vier-Augen-Gesprächen“ viel Zeit für persönliche Anliegen und individuelle Beratung. Darüber hinaus bestand – wie bei vielen Veranstaltungen der Reihe „Medizin am Mittwoch“ – die Möglichkeit, direkt einen Termin über die Interdisziplinäre Fachambulanz des Klinikums zu vereinbaren.

Der Nachmittag im Klinikum machte deutlich, dass moderne Medizin weit mehr umfasst als eine einzelne Operation oder Therapie. Sowohl das Darmkrebszentrum als auch das Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie stehen für eine Versorgung, die medizinische Expertise, überprüfte Qualität, interdisziplinäre Zusammenarbeit und persönliche Begleitung miteinander verbindet. Patienten finden im Städtischen Klinikum Dessau damit kompetente Ansprechpartner – von der ersten Diagnose über die individuell abgestimmte Therapie bis hin zur Nachsorge.

Kontakt Darmkrebszentrum
Sekretariat: 0340 501-1236

Oder

Interdisziplinäre Fachambulanz (IFA)
0340 501-1280
termine-ifa@klinikum-dessau.de

Kontakt Hernienzentrum
0340 501-1236
oder
MVZ Gropiusallee 0340 501-2400

 

 

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