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„Keine Angst vorm Klinikum“: Wenn Kinder zu kleinen Medizinern werden

Mit 23 Zweitklässlern der Grundschule Tempelhofer Straße ist gestern am Städtischen Klinikum Dessau das neue Projekt „Keine Angst vorm Klinikum“ gestartet. An verschiedenen Mitmachstationen konnten die Kinder Krankenhausluft schnuppern, selbst untersuchen, Verbände anlegen und sogar einen geheimnisvollen Röntgenbefund lösen. Ziel ist es, Kindern Berührungsängste zu nehmen und ihnen zu zeigen, was in einem Krankenhaus passiert – bevor sie vielleicht selbst einmal als Patienten dorthin müssen. Statt Mathe und Deutsch standen deshalb an diesem Dienstagmorgen Kinderklinik, Zentrale Notaufnahme, Krankenhaushygiene und Röntgen auf dem Stundenplan.

Kurz nach 8 Uhr traf sich die Klasse in der Cafeteria des Klinikums. Ausgestattet mit einer Stempelkarte und aufgeteilt in zwei Gruppen ging es von dort zu den verschiedenen Mitmachstationen. An jeder konnten die Kinder einen neuen Stempel sammeln und vor allem selbst aktiv werden. Schon auf dem Weg sorgte die junge Besucherschar für Aufmerksamkeit. Ein Arzt, der den Kindern auf dem Flur begegnete, wurde kurzerhand mit einem vielstimmigen „Guten Morgen, Herr Doktor!“ begrüßt – und freute sich sichtlich über den unerwarteten Empfang.

Teddybär Stefan als erster Patient

In der Kinderklinik wartete bereits Teddybär Stefan in der eigens eingerichteten Teddyklinik. Gemeinsam mit Schwester Dani und Kinderarzt Paul Ebert fanden die Kinder heraus, wie kleine Patienten untersucht werden, wenn sie Husten, Schnupfen, Fieber, Hals- oder Ohrenschmerzen haben.

Dabei blieb es nicht beim Zuschauen. Mit Stethoskop, Mundspatel und Otoskop durften die Kinder selbst aktiv werden, Herztöne abhören und sich gegenseitig in Mund und Ohren schauen. Auch das Anlegen einer Infusion wurde am Teddy ausprobiert.

Nebenan war Geschick gefragt. An drei kleinen Stationen mussten Hinweise für den Zahlencode einer verschlossenen Schatzkiste gesammelt werden. Wer ein Baby richtig wickelte, bunte „Pillen“ korrekt sortierte und mit kleinen Spritzen per Wasserdruck Konfetti vom Tisch beförderte, kam der Lösung Stück für Stück näher. Am Ende ließ sich mit den gefundenen Zahlen tatsächlich das Schloss der Schatzkiste öffnen.

Gipsarm statt Schwimmunterricht?

In der Zentralen Notaufnahme wurde es anschließend besonders lebhaft. Schwester Silke und Schwester Jasmin zeigten den Kindern, was dort im Ernstfall passiert: EKG schreiben, Blutdruck messen, Sauerstoffsättigung bestimmen, eine Blutabnahme simulieren und Verbände anlegen.

Zum absoluten Favoriten entwickelte sich das Eingipsen. Innerhalb kurzer Zeit präsentierten alle Kinder stolz ihre frisch „versorgten“ Arme. Die vermeintlichen Verletzungen sorgten sofort für neue Ideen. „Morgen ist Schwimmunterricht, da können wir alle nicht mitmachen“, stellte eines der Kinder fest – unter lautstarker Zustimmung der Mitschüler. Entsprechend groß war der Andrang bei den beiden Schwestern.

Was im Krankenhaus Alltag ist, wurde so für die Kinder zu einem spannenden Erlebnis. Gleichzeitig lernten sie ganz nebenbei, was Ärzte und Pflegekräfte tun, wenn ein Patient in die Notaufnahme kommt.

Auf Keimsuche mit UV-Licht

Nur wenige Meter weiter ging es um Dinge, die man normalerweise gar nicht sehen kann. Schwester Nora und Schwester Suse vom Team der Krankenhaushygiene erklärten, was Krankheitserreger sind, wie sie übertragen werden und warum gründliche Handhygiene so wichtig ist.

Dabei erfuhren die Kinder auch, wie sie sich in ihrer Klasse gegenseitig vor Erkältungen oder Magen-Darm-Infektionen schützen können. Anschließend durften sie selbst in die Schutzkleidung schlüpfen: mit Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz, Haube und Kittel. So ausgestattet ging es direkt an eine kleine praktische Aufgabe. Die Kinder schnitten Gurken in Scheiben und konnten dabei erleben, wie sich selbst einfache Handgriffe in kompletter Schutzkleidung anfühlen.

Zum Abschluss wurde es dunkel: Mit UV-Licht gingen die Zweitklässler auf Keimsuche und konnten unmittelbar sehen, an welchen Stellen beim Händewaschen besonders gründlich gearbeitet werden muss.

Affe Charly und die verschluckte Banane

Auch die Röntgenabteilung hatte sich auf die jungen Gäste vorbereitet. Zunächst lernten die Kinder den Ultraschall kennen und konnten auf dem Monitor verschiedene Organe betrachten. Gleichzeitig erfuhren sie, worin sich Ultraschall und Röntgen unterscheiden.

Dann wurde es ernst für Affe Charly. Das Plüschtier lag bereits mit heftigen „Bauchschmerzen“ auf dem Untersuchungstisch. Schwester Franka und Schwester Carolin erklärten den Kindern, wie ein Röntgengerät funktioniert und was bei einer Untersuchung zu beachten ist. Nachdem Charly richtig gelagert worden war, erschien im Nebenraum sein Röntgenbild auf dem Monitor.

Die Diagnose sorgte für Staunen: Der Affe hatte offenbar eine ganze Banane verschluckt.

Damit war der Forscherdrang endgültig geweckt. Ein weiteres Plüschtier kam unter das Röntgengerät – bei ihm tauchten zwei Münzen im Bauch auf. Zum Abschluss wurde sogar noch eine Box mit Gummibärchentüten durchleuchtet, was bei den Kindern für entsprechend große Begeisterung sorgte.

Krankenhaus einmal anders erleben

Bevor es zum gemeinsamen Mittagessen in die Cafeteria ging, wartete noch ein besonderer Abschluss. Verbunden, mit Gipsarmen ausgestattet und bestens gelaunt zog die Gruppe durch die Klinikflure zum Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des Klinikums. Dort entstand das abschließende Gruppenfoto – mit Blick über Dessau.

Die Begeisterung war den Kindern anzusehen. Auch die Lehrer bedankten sich bei den beteiligten Klinikteams für die Organisation und die vielen Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden.

Genau darum geht es bei „Keine Angst vorm Klinikum“. Kinder sollen das Krankenhaus nicht erst dann kennenlernen, wenn sie selbst krank oder verletzt sind. Sie können in entspannter Atmosphäre erfahren, was hinter den Türen einer Klinik passiert, Geräte ausprobieren, Fragen stellen und die Menschen kennenlernen, die sich dort um Patienten kümmern.

Das Angebot richtet sich zunächst an Grundschulklassen ab der zweiten Klasse; perspektivisch sollen auch Kita-Gruppen einbezogen werden. Bereits im kommenden Monat geht das Projekt mit der nächsten Schulklasse weiter.

Der erste Projekttag hat dabei vor allem eines gezeigt: Krankenhaus kann spannend sein. Und wer schon einmal selbst ein Stethoskop in der Hand hatte, einen Teddy versorgt oder einen Affen mit verschluckter Banane geröntgt hat, blickt auf einen möglichen Klinikaufenthalt vielleicht ein kleines bisschen gelassener.

Künftig soll das Angebot allen interessierten Grundschulen aus Dessau-Roßlau offenstehen. Angesprochen sind Klassen der Jahrgangsstufen zwei bis vier. Schulen, die Interesse an einer Teilnahme haben, können sich bei Lisa Lehmann aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter lisa.lehmann@klinikum-dessau.de melden.

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