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„Hilfe für die Hände“ - große Resonanz bei „Medizin am Mittwoch“

Die gestrige Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“ der Klinik für Plastische und Handchirurgie stand unter dem Thema „Hilfe für die Hände – wieder Freude am Zupacken“. Dass dieses Thema viele Menschen bewegt, zeigte sich bereits vor Beginn der Veranstaltung: Statt der erwarteten rund 50 Interessierten kamen mehr als 90 Besucher. Schnell mussten zusätzliche Stühle in die Cafeteria getragen werden, damit alle einen Platz fanden. Die große Resonanz sorgte für eine besondere Atmosphäre – eine Mischung aus Neugier, persönlicher Betroffenheit und der Hoffnung auf Antworten.

Nach der Begrüßung stellte Chefarzt Dr. med. Jochen Winter die Referenten und ihre Themen vor. Anschließend richtete er eine scheinbar einfache Frage an das Publikum: „Haben Sie heute schon Ihre Hände gespürt? Beim Händeschütteln, beim Schuhe zubinden oder beim Öffnen eines Schraubverschlusses? Wenn nicht – dann herzlichen Glückwunsch.“ Die Reaktionen im Saal – ein vielsagendes Nicken – ließen schnell erkennen, dass viele der Anwesenden ihre Hände heute durchaus gespürt hatten, allerdings eher schmerzhaft. Genau hier setzte der Nachmittag an: bei den alltäglichen Momenten, in denen die Hände eigentlich selbstverständlich funktionieren sollten – es aber nur noch unter Schmerzen oder gar nicht mehr tun.

Den Auftakt der Vortragsreihe gestalteten Dr. med. Josefine Laser und Oberarzt Mohamed Eldougdoug. In ihrem Vortrag „Das schmerzende Marmeladenglas – Hilfe bei Daumensattelgelenksarthrose (Rhizarthrose)“ widmeten sie sich einer der häufigsten Verschleißerkrankungen der Hand. Für die medizinischen Laien im Publikum begann der Vortrag zunächst mit einer kurzen, verständlichen Einführung in die Anatomie des Daumensattelgelenks. Schnell wurde deutlich, wie entscheidend dieses kleine Gelenk für alltägliche Bewegungen ist – für das Greifen, Drehen oder eben das Öffnen eines Marmeladenglases. Wenn sich hier eine Arthrose entwickelt, können genau diese Handgriffe zur Herausforderung werden. Die beiden Handchirurgen erklärten anschaulich, wie eine Rhizarthrose entsteht, welche Auswirkungen sie im Alltag haben kann und welche Möglichkeiten der Diagnose bestehen. Ebenso verständlich stellten sie konservative Behandlungsmöglichkeiten sowie operative Verfahren vor. Besonders aufmerksam hörten viele Besucher zu, als Oberarzt Eldougdoug den Unterschied zwischen einer Trapezektomie und einer Daumensattelgelenkprothese erläuterte.

Im Anschluss nahm Oberarzt Dr. med. Kristian Weißenberg die Zuhörer zunächst gedanklich mit auf eine ungewöhnliche Reise: vom Atlantik vor La Gomera bis in die Karibik. Die Geschichte einer Ruderetappe diente als anschauliches Beispiel für extreme, wiederholte Griffbelastungen – und führte damit direkt zum Thema seines Vortrags „Haken, Schnappen, Springen – Was tun beim schnellenden Finger?“. Mithilfe kurzer Videos erklärte Dr. Weißenberg sehr anschaulich, was hinter dem sogenannten schnellenden Finger steckt. Betroffene kennen das Phänomen: Ein Finger bleibt plötzlich hängen, schnellt ruckartig nach vorne oder blockiert sogar vollständig. Der Handchirurg erläuterte, warum diese Beschwerden entstehen, woran man sie erkennt und wann eine Behandlung sinnvoll ist. Wenn das schmerzhafte Schnappen bestehen bleibt und den Alltag erheblich beeinträchtigt, kann ein kleiner operativer Eingriff helfen. Ziel sei es, dass die Sehne wieder frei gleiten kann und die Schmerzen nachlassen. Um möglichen Sorgen vorzubeugen, erklärte Dr. Weißenberg ruhig und detailliert den Ablauf des Eingriffs, die Anästhesie sowie die anschließende Nachbehandlung. Die Erfolgsquote liege dabei deutlich über 90 Prozent.

Den Abschluss des Nachmittags gestaltete Chefarzt Dr. med. Jochen Winter mit einem Vortrag, der viele Zuhörer ansprach. Unter dem Titel „Mut zur Lebensqualität: Wann ist der richtige Moment für eine Handoperation?“ stellte er bewusst nicht medizinische Bilder oder technische Details in den Mittelpunkt, sondern die Lebensrealität der Patienten. „Unsere Hand ist ein Wunderwerk“, erklärte er. „27 Knochen, 36 Gelenke, 39 Muskeln mit ihren Sehnen und rund 17.000 Tastzellen – ein unglaublich vielseitiges, aber auch sehr empfindliches Werkzeug.“ Gerade deshalb seien Schmerzen an der Hand für viele Menschen besonders belastend. In seiner Sprechstunde höre er häufig denselben Satz: „Es fällt mir schwer, aber es geht schon noch irgendwie. Man wird halt älter.“ Doch genau diese Haltung hinterfragte der Chefarzt deutlich. „Irgendwie gehen ist kein Maßstab für ein schönes, glückliches Leben“, betonte er. Schmerz sei ein „schleichender Dieb“ – keiner, der Geld aus der Tasche ziehe, sondern einer, der die Freude nehme: an der Gartenarbeit, am Klavierspielen, am Handarbeiten oder am einfachen Zupacken im Alltag.

Dabei unterschied Dr. Winter zwischen zwei Formen der Operationsnotwendigkeit. Die erste sei die medizinische Notwendigkeit, etwa wenn Nerven eingeklemmt sind – wie beim Karpaltunnelsyndrom – oder bei frischen Verletzungen von Knochen, Bändern, Sehnen oder Nerven. In solchen Fällen sei es wichtig, nicht zu lange zu warten, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Viel häufiger gehe es jedoch um eine andere Frage, nämlich um die persönliche Lebensqualität. „Ich frage meine Patienten immer: Was haben Sie früher gern getan, was Sie heute lassen, weil die Hand nicht mehr mitspielt?“ Wenn Menschen beginnen, ihr Leben wegen Schmerzen einzuschränken, sei das ein wichtiger Moment, über eine Behandlung nachzudenken. „Lebensqualität ist kein Luxus“, machte Dr. Winter deutlich. Mut bedeute nicht, keine Angst vor einer Operation zu haben. Mut bedeute vielmehr, sich dafür zu entscheiden, dass die eigene Lebensqualität wichtiger ist als die Angst davor.

Nach den Vorträgen nutzten viele Besucher die Gelegenheit, direkt mit den vier anwesenden Handchirurgen ins Gespräch zu kommen. „Nutzen Sie die Chance – vier Handchirurgen auf einmal gibt es zwischen Halle, Leipzig, Potsdam und Magdeburg nicht so oft“, hatte Dr. Winter augenzwinkernd angekündigt. Tatsächlich bildeten sich schnell kleine Gruppen um die Ärzte. Die Menschen schilderten ihre persönlichen Beschwerden, stellten Fragen und holten sich Rat. Einige vereinbarten direkt Termine in der Fachambulanz – und das teilweise sogar kurzfristig. Obwohl der geplante Zeitrahmen längst überschritten war, nahmen sich die Ärzte weiterhin Zeit für jedes Gespräch.

So endete dieser „Medizin am Mittwoch“-Nachmittag nicht nur mit vielen neuen Informationen, sondern vor allem mit einer klaren Botschaft: Moderne Handchirurgie kann heute vielen Menschen helfen, Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit zurückzugewinnen. Oder, wie Dr. Winter es zum Abschluss formulierte: „Am Ende gehe es darum, dass Sie wieder ohne Schmerzen Hände schütteln können, dass Sie Ihr Marmeladenglas selbst öffnen – und dass Sie das Leben wieder fest im Griff haben.“

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