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"Es war eigentlich mein Leben"

Nach 47 Jahren im Beruf verabschiedet sich unsere Wohnbereichsleiterin im Altenpflegeheim "Am Georgengarten", Cornelia Wohlfeld, in den Ruhestand. Ihr gesamtes Berufsleben ist untrennbar mit dem Haus verbunden, das sie über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Begonnen hat alles 1979 mit der Ausbildung an der Fachschule im Bauhaus. Eigentlich wollte Wohlfeld Hebamme werden, bewarb sich aber recht spät – und landete so, wie sie selbst schmunzelnd sagt, „zufällig in der Altenpflege“. Der erste Eindruck hätte sie beinahe direkt wieder vertrieben: Sechs-Bett-Zimmer, in denen die Bewohner fast durchgehend im Bett lagen. „Hier gehe ich nie wieder hin“, dachte die damals 16-Jährige. Sie blieb trotzdem – und aus der vermeintlichen Übergangslösung wurde ein Lebenswerk.

1982 beendete sie ihre Lehre und ging ins Pflegeheim Bachstraße – eine alte Villa, die nach der Wende an den Alteigentümer zurückgegeben wurde. Von dort führte ihr Weg in die Breite Straße. 1999 zog sie mit der Einrichtung von der Breiten Straße an den Georgengarten um und wurde dort stellvertretende Stationsschwester, ehe sie 2010 schließlich die Position der Wohnbereichsleiterin übernahm.

Eine Zeitreise durch die Altenpflege

Wie kaum eine andere hat Cornelia Wohlfeld miterlebt, wie sich die Altenpflege über die Jahrzehnte gewandelt hat. Zu DDR-Zeiten dokumentierte man noch alles mit der Karteikarte, und sie erinnert sich gerne an diese Zeit, in der sie viele schöne Momente mit den Bewohnern erleben durfte. Damals ging man gemeinsam mit ihnen einkaufen, unternahm sogar Ferienlager – ganz normale Dinge des Alltags, die den Menschen viel Freude bereiteten. Mit der Einführung der Pflegegrade rückte später die fachliche Pflege noch stärker in den Fokus, wie es heute selbstverständlich ist – ein Wandel, den Wohlfeld mit viel Erfahrung und Gelassenheit mitgestaltet hat.

Eine zweite Familie

Was all die Jahre über geblieben ist, sind die menschlichen Beziehungen. „Diesen Job muss man mit Empathie machen. Das heißt einfach, man muss das lieben, was man tut. Und die Menschen lieben mich, das merke ich – das macht den Abschied auch nicht ganz leicht. Nach so vielen Jahren wird man ein Stück weit Familie – für die Bewohner sind wir oft die letzten Menschen, die noch für sie da sind. Und wir sind auch für die Angehörigen wie Familie, die sich darauf verlassen, dass wir gut für ihre Liebsten sorgen.“ Aus dieser Haltung sind Traditionen entstanden, die bis heute Bestand haben: Den Wichtelmarkt hat sie mit ins Leben gerufen – ein Höhepunkt des Jahres mit Musik und Glühwein, auf den sich Bewohner und Angehörige gleichermaßen freuen. „Für viele ist das die einzige Möglichkeit, noch ein Stück Weihnachtsmarkt-Atmosphäre zu erleben."

Auch schwierige Zeiten hat das Team gemeinsam gemeistert. Cornelia Wohlfeld erinnert sich an eine Hochwasser-Evakuierung, bei der rund 80 Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb kürzester Zeit in die alte Frauenklinik gebracht werden mussten. „Da zeigt sich, ob ein Team zusammenhält – und bei uns hat das immer funktioniert."

Über 40 Jahre mit denselben Weggefährten

Besonders stolz ist Wohlfeld darauf, dass sie all die Jahre mit einem harten Kern an Kollegen zusammengearbeitet hat – einige davon schon über 40 Jahre. Ihr Rat an jüngere Mitarbeiter: „Man darf nie mehr von anderen verlangen, als man selbst bereit ist zu leisten. Und man muss ehrlich zueinander sein." Auf Hierarchien hat sie nie viel Wert gelegt – gearbeitet wurde stets auf Augenhöhe, auch wenn alle wussten, wer die Verantwortung trug.

Der Abschied fällt ihr nicht leicht, auch wenn sie den Zeitpunkt bewusst gewählt hat. „Ich merke es körperlich, dass ich an meine Grenzen komme. Und wenn ich jetzt nicht den Schlussstrich ziehe, ziehe ich ihn wahrscheinlich nie." Vermissen wird sie vor allem das Zwischenmenschliche – die tägliche Kommunikation mit dem Team und den Bewohnern. Ihre letzten Monate hat sie genutzt, um ihre Stellvertretung Schritt für Schritt in die neuen Aufgaben hineinwachsen zu lassen.

Für ihren Ruhestand hat Cornelia Wohlfeld klare Pläne: mehr Zeit für die Familie und die Enkelkinder, und endlich die Reisen, die während der Arbeitsjahre mit Wochenend- und Feiertagsdiensten kaum möglich waren.

Auch Monique Baumann, Einrichtungsleitung des Altenpflegeheims am Georgengarten, findet zum Abschied deutliche Worte der Anerkennung: „Conny hat dieses Haus über Jahrzehnte mitgeprägt wie kaum eine Zweite. Ihre Erfahrung, ihre Menschlichkeit und ihr Zusammenhalt mit dem Team werden uns sehr fehlen. Wir sind dankbar für alles, was sie für unsere Bewohnerinnen und Bewohner und für uns als Team geleistet hat."

Wenn sie ihre 47 Jahre in einem Satz zusammenfassen müsste, sagt Cornelia Wohlfeld schlicht: „Es war eigentlich mein Leben."

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