Ernährungsteam analysiert Patientenwohl

Bewusste Ernährung ist wichtig, erst recht im Krankenhaus, wenn die Gesundheit ohnehin angegriffen ist. Deswegen gibt es am Städtischen Klinikum Dessau bereits seit 2014 ein Ernährungsteam, das sich auf den Stationen dieses wichtigen Themas annimmt.
Prof. Dr. med. Gerhard Behre, Chefarzt der der Klinik für Innere Medizin I, schätzt die Arbeit des Ernährungsteams, das von dem renommierten Ernährungsmediziner Prof. Dr. med. Mathias Plauth geleitet wird, da es das Leistungsspektrum des Onkologischen Zentrums perfekt ergänzt. Gerade Krebspatienten leiden häufig unter Gewichtsverlust durch Mangelernährung und Appetitlosigkeit. Eine adäquate Ernährungstherapie versetzt Krebspatienten häufig erst in die Lage, eine wirksame Behandlung erhalten zu können. „Das Ernährungsteam ist ein Leuchtturm der Klinik für Innere Medizin I und des Onkologischen Zentrums Dessau“, so Prof. Behre.
Ende 2025 hat sich das Ernährungsteam bereits zum zweiten Mal am weltweiten „Nutrition Day“ beteiligt und hat dafür ein Zertifikat erhalten. Es ist der offizielle Nachweis dafür, dass am Klinikum eine der Erkrankung und der Konstitution des Patienten entsprechende Ernährung ein wesentlicher Bestandteil der klinischen Versorgung ist.
Um das Projekt weiter auszubauen, hat sich das Ernährungsteam dazu entschlossen, weitere Stationen in die Erhebung einzubeziehen. Diesmal waren es die Onkologie und die Chirurgie mit zusammen 36 Patienten, die sich an der Befragung beteiligten.
So wurde ermittelt, dass 50 Prozent der onkologischen und 25 Prozent der chirurgischen Patienten mangelernährt waren. 60 Prozent der onkologischen Patienten litten in den zurückliegenden drei Monaten unter ungewolltem Gewichtsverlust. 75 Prozent der chirurgischen Patienten (in der Onkologie 60 Prozent) gaben an, nur die Hälfte der Portionen zu essen – aus Appetitlosigkeit oder aufgrund der als zu groß empfundenen Portionen.
Für die im Klinikum angebotene ernährungsmedizinische Versorgung können diese Zahlen wichtige Impulse liefern, wenn sie anschließend mit den Ergebnissen anderer Krankenhäuser in Relation gesetzt werden. Wie wirkt sich Mangelernährung auf die Dauer des Klinikaufenthalts aus, wie muss die Ernährung angepasst werden, welche Mehrkosten sind für Gesundheitseinrichtungen mit krankheitsbedingter Mangelernährung verbunden, lauten einige der untersuchten Fragen.
An der weltweiten Befragung zum Nutrition Day haben sich mehr als 300.000 Patienten aus 74 Ländern beteiligt. Der internationale Vergleich ermöglicht eine breite Basis von Daten zum Nutzen der Forschung, deren Ergebnisse in die Verbesserung der Ernährungssituation von Patienten einfließen.
Dass die Teilnahme am internationalen Nutrition Day eine gute Visitenkarte für das Städtische Klinikum ist, davon sind Ernährungsmedizinerin Dr. med. Anke Rockstroh und ihre Kolleginnen Melanie Viertel, Katja Rannefeld und Susann Johannsen überzeugt. Mit der Erhebung von Informationen zur Ernährung auf Stations- und auf Patientenebene sind sie Vorreiter, denn längst nicht jede große Klinik in Deutschland verfügt über ein Ernährungsteam. Für die Patienten verbessert sich die Aufenthaltssituation dank wissenschaftlich fundierter Ernährungstherapie, für die Krankenhäuser lassen sich die Kosten langfristig reduzieren, etwa weil die Verweildauer und Behandlung sich verkürzen.




