Erfolgreicher Onkologischen Patiententag





Krebs wirft viele Fragen auf – für Betroffene ebenso wie für ihre Angehörigen. Der Wunsch nach verständlichen Informationen, Orientierung und persönlichem Austausch stand deshalb auch im Mittelpunkt des 3. Onkologischen Patiententags des Onkologischen Zentrums am Städtischen Klinikum Dessau. Unter dem Motto „Wir gegen Krebs“ informierten sich am Samstag nahezu 200 Besucher über moderne Behandlungsmöglichkeiten, aktuelle Entwicklungen in der Krebsmedizin und unterstützende Angebote für Menschen mit einer Krebserkrankung.
Zwischen 9 und 14 Uhr verwandelte sich das Klinikum in einen Ort des Austauschs, der Begegnung und der Information. Patienten, Angehörige, niedergelassene Ärzte und Interessierte kamen miteinander ins Gespräch, besuchten Fachvorträge, nahmen an Führungen teil und erhielten Einblicke in Bereiche, die Patienten im Klinikalltag häufig verborgen bleiben.
Bereits zur Eröffnung machte Prof. Dr. Gerhard Behre, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Leiter des Onkologischen Zentrums, die Bedeutung des Klinikums für die Krebsversorgung in der Region deutlich.
„Wir sind ein Haus für alle Krebskranken“, betonte Behre. „Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb unseres Hauses sowie die Kooperation mit Partnern wie der Universitätsmedizin Magdeburg und dem gemeinsamen Cancer Campus machen das Onkologische Zentrum Dessau zu einem wichtigen Versorger und Kompetenzzentrum im Osten Sachsen-Anhalts.“
Die Bedeutung des Onkologischen Zentrums für die Region lässt sich auch an den Versorgungszahlen ablesen. Jährlich werden am Klinikum mehr als 2.000 Patienten mit Krebserkrankungen unterschiedlichster Entitäten behandelt. Das Onkologische Zentrum vereint unter seinem Dach zertifizierte Organkrebszentren, spezialisierte Tumorboards, modernste Diagnostik, operative Spitzenmedizin, Strahlentherapie, medikamentöse Tumortherapie sowie zahlreiche unterstützende Angebote – von Psychoonkologie und Ernährungstherapie bis hin zur Palliativmedizin und Selbsthilfe.
Moderne Krebsmedizin für die Region
Das Vortragsprogramm spiegelte die gesamte Bandbreite der Onkologie wider. Experten aus den zertifizierten Organkrebszentren informierten über Hauttumoren, Augentumoren, Brustkrebs, Prostata- und Nierentumoren, Darmkrebs sowie Erkrankungen des blutbildenden Systems.
Besonders großes Interesse fanden die Beiträge zur robotergestützten Chirurgie. Arturo Rivera Mejia, Leiter des Prostatakarzinomzentrums, sowie Pavel Kovelenov stellten moderne roboterassistierte Operationsverfahren in der Urologie vor. Auch Prof. Dr. Peter Würl und Dr. Thomas Schulze zeigten eindrucksvoll, welche Möglichkeiten die Robotik heute bei der Behandlung von Darmkrebs bietet.
Ein Besucher brachte seine Eindrücke nach den ersten Vorträgen treffend auf den Punkt: „Unglaublich, was hier in Dessau alles für Krebspatienten angeboten wird. Da muss man als Betroffener gar nicht mehr nach Halle oder Magdeburg fahren.“
Die zentrale Botschaft vieler Referenten war dabei dieselbe: Eine Krebsdiagnose verändert das Leben – sie beendet es nicht. Was vor wenigen Jahrzehnten häufig als unausweichliches Schicksal galt, kann heute in vielen Fällen erfolgreich behandelt oder langfristig kontrolliert werden.
Selbsthilfe als wichtiger Bestandteil der Behandlung
Ein besonderes Anliegen der Veranstalter war die Einbindung von Selbsthilfegruppen. Denn Krebsmedizin endet nicht mit einer Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung. Für viele Betroffene beginnt danach ein neuer Lebensabschnitt mit zahlreichen Fragen und Herausforderungen. Matthias Eichelbaum von der Deutschen ILCO Selbsthilfegruppe Dessau sowie Simone Pareigis von der Selbsthilfegruppe Leukämie und Lymphome berichteten über ihre Arbeit.
„Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Selbsthilfegruppen auf solchen Veranstaltungen eine Stimme bekommen“, sagte Pareigis. „Dabei können Betroffene oft von Menschen profitieren, die ähnliche Erfahrungen bereits gemacht haben.“
Blick hinter die Kulissen
Neben den Fachvorträgen bot der Patiententag auch Möglichkeiten, die Krebsmedizin im Klinikum hautnah kennenzulernen. Bei Führungen durch die Onkologische Ambulanz, den Operationsbereich, die Endoskopie, das Labor und die Strahlentherapie konnten Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen und erleben, wie moderne Krebsdiagnostik und -therapie heute funktionieren.
An zahlreichen Informationsständen präsentierten sich darüber hinaus die Krebszentren des Hauses, die Psychoonkologie, der Sozialdienst, die Ernährungsmedizin, die Studienkoordination sowie Selbsthilfegruppen und externe Partner. Vordergrund stand der direkte Austausch – viele Besucher nutzten die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch.
Forschung, Studien und individuelle Therapien
Dass Krebsmedizin heute weit mehr ist als die Anwendung etablierter Therapien, wurde ebenfalls deutlich. Das Onkologische Zentrum beteiligt sich aktiv an klinischen Studien und Forschungsprojekten und arbeitet eng mit universitären Partnern zusammen. Allein im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Patienten in onkologische Studien eingeschlossen. Darüber hinaus profitieren Patienten von molekularen Tumorboards und modernen personalisierten Therapieansätzen, die insbesondere dann neue Perspektiven eröffnen können, wenn Standardtherapien ausgeschöpft sind.
Resonanz und intensiver Austausch
Nach fünf Stunden voller Vorträge, Gespräche und Begegnungen zog Prof. Behre eine positive Bilanz: „Was mich besonders beeindruckt hat, war die große Zahl an persönlichen Gesprächen. Viele Besucher sind mit ganz konkreten Fragen zu uns gekommen, haben den direkten Austausch mit unseren Experten gesucht. Diese Nachfrage war noch einmal deutlich größer als bei den beiden vorherigen Patiententagen und zeigt, wie wichtig solche Angebote für Betroffene und ihre Angehörigen sind.“
Sein besonderer Dank galt dem Organisationsteam um Ltd. Oberärztin Dr. Judith Pannier, der administrativen Koordinatorin Janne Schatz sowie den zahlreichen Mitarbeitern aus Medizin, Pflege, Therapie und Verwaltung, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.




