Deutlicher Anstieg bei PFO-Verschlüssen am Klinikum

Die „Zahl des Tages“ lautet 30 und kommt aus der Kardiologie. Sie steht für die Anzahl der im Jahr 2025 am Städtischen Klinikum Dessau durchgeführten Verschlüsse eines persistierenden Foramen ovale (PFO). Damit hat sich die Zahl der Eingriffe in den vergangenen Jahren deutlich erhöht: 2023 wurden drei, 2024 zehn und 2025 bereits 30 PFO-Verschlüsse durchgeführt. Diese Entwicklung zeigt, dass sich das schonende Verfahren am Städtischen Klinikum erfolgreich etabliert hat.
Ein PFO ist eine kleine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die vor der Geburt notwendig ist, sich normalerweise aber danach schließt. Bleibt sie offen, können unter bestimmten Bedingungen kleine Blutgerinnsel vom venösen in den arteriellen Kreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen. „In solchen Situationen besteht ein erhöhtes Risiko, dass Gerinnsel ins Gehirn gelangen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Georg Fürnau, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II. Etwa 25 bis 30 Prozent der Menschen haben ein dauerhaft offenes PFO.
Besonders wichtig ist das Thema für Patienten mit einem sogenannten kryptogenen Schlaganfall, bei dem keine eindeutige Ursache gefunden wird. Priv.-Doz. Dr. med. Sybille Spieker, Chefärztin der Klinik für Neurologie, weist darauf hin, dass bei 40 bis 50 Prozent dieser Betroffenen ein PFO nachgewiesen werden kann.
Ob ein Verschluss sinnvoll ist, wird am Klinikum sorgfältig geprüft. Voraussetzung ist der sichere Nachweis eines relevanten PFO und der Ausschluss anderer möglicher Ursachen. „Jede Beurteilung basiert auf der bewehrten interdisziplinär Zusammenarbeit zwischen der Kardiologie und der Neurologie“, betont Dr. Fürnau.
Der Verschluss eines PFO erfolgt mittels eines sogenannten Schirmchens. Der Eingriff dauert in der Regel etwa 30 Minuten und wird über einen Katheter durch die Leistenvene durchgeführt – ohne Eröffnung des Brustkorbs und bei schlagendem Herzen. Das Schirmchen wird dabei bis zum PFO vorgeschoben und dort entfaltet. Der Eingriff erfolgt unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle. Die meisten Patienten sind rasch wieder mobil und können häufig bereits nach einer Nacht das Krankenhaus verlassen. Studien zeigen, dass der PFO-Verschluss bei entsprechender Indikation wirksamer sein kann als eine alleinige medikamentöse Behandlung.
Die steigenden Fallzahlen spiegeln nicht nur den wachsenden Bedarf, sondern auch die hohe fachliche Kompetenz am Klinikum wider. „Durch seine frühere Leitung eines spezialisierten PFO-Programms an einer Universitätsklinik bringt Dr. Fürnau große Erfahrung mit. Mit dem Ausbau dieses Verfahrens stärken wir gezielt unsere Schlaganfallversorgung für Dessau-Roßlau und die Region“, betont der Ärztliche Direktor Prof. Dr. med. Christoph U. Herborn.
Mit 30 Eingriffen im Jahr 2025, klaren Behandlungsstrukturen und enger interdisziplinärer Zusammenarbeit der Fachbereiche hat sich das Klinikum Dessau als verlässliche Adresse für den PFO-Verschluss und die moderne Schlaganfallprävention etabliert. Eine Verlegung von Schlaganfallpatienten in andere Kliniken ist somit nicht mehr von Nöten.




