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Abschied mit Herz und Haltung – Ines Büchner geht in den Ruhestand

Nach über vier Jahrzehnten im Städtischen Klinikum Dessau verabschiedet sich Stationsleiterin Ines Büchner in den Ruhestand – oder, wie sie selbst augenzwinkernd sagt: in den „Boxenstopp“.

Ihre Verbindung zum Klinikum reicht weit über ihren offiziellen Dienstantritt am 1. September 1982 hinaus. Bereits 1979 begann sie ihre Ausbildung an der medizinischen Fachschule – damals noch im Bauhaus in der Gropiusallee. „Wenn man heute daran zurückdenkt, dort Unterricht gehabt zu haben, macht mich das schon ein wenig stolz“, sagt sie. Auch Pflegedirektorin Michaela Ewald betont diese besondere Verbundenheit: „Eigentlich gehören Sie schon viel länger zu unserem Haus.“

Tatsächlich reichen die ersten Erfahrungen noch weiter zurück: „Ich habe hier praktisch schon mit 14 angefangen – das muss 1976 gewesen sein“, erinnert sich Büchner. In den Schulferien arbeitete sie in der Unfall- und Handchirurgie – ein Bereich, der sie früh prägte und sie über viele Jahre begleitete. 1982 folgte schließlich der offizielle Einstieg als Pflegekraft.

Im Laufe ihrer beruflichen Entwicklung übernahm Ines Büchner kontinuierlich neue Aufgaben und wechselte in verschiedene Fachbereiche – „immer zum 1. April, kein Aprilscherz“, wie sie mit einem Lächeln erzählt. Ein bedeutender Meilenstein folgte im Jahr 2000: In der Kardiologie übernahm sie erstmals die Leitung einer Station. „Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen“, sagt sie rückblickend.

Seitdem war sie ununterbrochen in leitender Funktion tätig – insgesamt 26 Jahre lang. „Wir verlieren mit Ines Büchner eine hochgeschätzte und angesehene Kollegin“, würdigt Michaela Ewald ihren langjährigen Einsatz.

Stillstand war für Büchner nie eine Option: 2009 kam die Orthopädie hinzu, Teams wurden neu strukturiert, weitere Fachbereiche integriert. „Ich war immer neugierig und wollte mich weiterentwickeln“, beschreibt sie ihren Antrieb. Ihr beruflicher Weg steht exemplarisch für Veränderungsbereitschaft, Engagement und den Anspruch, Pflege aktiv mitzugestalten.

Eine besonders prägende Zeit war die Corona-Pandemie. Ines Büchner war maßgeblich am Aufbau und Betrieb der Corona-Stationen beteiligt. „Es war eine sehr schwere Zeit. Wir haben viel Leid gesehen, aber auch einen außergewöhnlichen Zusammenhalt erlebt.“ Auch Michaela Ewald erinnert sich: „So herausfordernd diese Zeit war – sie hat uns im Haus noch enger zusammengebracht.“

Neben allen strukturellen Veränderungen sind es vor allem die menschlichen Momente, die bleiben. Einer davon ist Büchner besonders in Erinnerung geblieben: die Organisation einer Hochzeit auf Station für einen schwer krebskranken Patienten. Sein letzter Wunsch war es, seine große Liebe noch zu heiraten. Innerhalb kürzester Zeit wurde dies durch das Engagement vieler Mitarbeitender möglich gemacht: Eheringe wurden organisiert, Kleidung bereitgestellt und ein Raum festlich geschmückt – ganz in Lila, dem Wunsch der Braut entsprechend. Die Cafeteria unterstützte mit Torte und Sekt, und sogar eine Standesbeamtin kam kurzfristig ins Klinikum. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt – und wir haben es geschafft“, sagt Büchner.

Die Trauung fand auf der Station statt – ein bewegender Moment für alle Beteiligten. „Das hat mich sehr berührt. Solche Erfahrungen bleiben“, blickt sie zurück.

Nach der Pandemie kehrte sie in die unfallchirurgisch-orthopädische Station zurück. Neue Aufgaben kamen hinzu, ein geplantes „Kürzertreten“ verschob sich erneut. „Es gab eigentlich nie Stillstand“, sagt sie über ihre letzten Berufsjahre.

Der Abschied fällt ihr nicht leicht. „Mein Wecker wird jetzt arbeitslos“, sagt sie mit einem Lächeln. Dem Klinikum bleibt sie dennoch verbunden: „Wenn Unterstützung gebraucht wird, helfe ich gern aus. Wir sehen uns bestimmt wieder.“

Auch für Michaela Ewald ist dieser Abschied ein besonderer Moment: „Es ist erst das zweite Mal, dass eine unserer Stationsleitungen in den Ruhestand geht. Eine so lange Verbundenheit mit dem Haus wird künftig seltener werden.“

Ines Büchner hat die Entwicklung des Klinikums über Jahrzehnte hinweg begleitet – von den Anfängen im Altbau „mit Klapperwagen und Häubchen“ bis hin zur modernen Klinikstruktur von heute.

Für ihren neuen Lebensabschnitt hat sie klare Pläne: mehr Zeit für Familie, Haus und Reisen – und „auch einmal über den Tellerrand schauen“.

Was bleibt, ist eine beeindruckende berufliche Laufbahn und eine klare Haltung: „Ich habe meine Arbeit mit Leib und Seele gemacht – immer im Sinne und zum Besten meiner Patientinnen und Patienten.“

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