12. Jahrgang des Philanthropinums verbringt Projekttag im Klinikum



Gleich 44 Schüler besuchten gestern im Rahmen ihrer Projektwoche das Klinikum. Aufgeteilt in zwei Gruppen durchliefen die künftigen Abiturienten vier Stationen, auf denen sie exklusiven Einblick in das größte Krankenhaus der Region bekamen. Begrüßt wurden sie vom Ärztlichen Direktor, Prof. Dr. med. Christoph U. Herborn, der die Leistungsbreite des Klinikums mit seinen 23 Fachrichtungen und 16 interdisziplinären Zentren plus eigenes Labor, Pathologie und Sterilisation mit seiner launigen Art veranschaulichte. Zugleich lockte er die Gruppe durch viele Zwischenfrage aus der Reserve. Auch die, dies sich nicht meldeten. Das im Bauhausstil 2011 fertig gestellte Gebäude sei für ihn, der ja erst seit 18 Monaten hier tätig ist, ein gelungener Bau mit einer sachlichen Ästhetik, bei dem klar erkennbar ist, dass die Form der Funktionalität folge.
ZNA-Manager, Marko Bertram, ist, was Führungen durch seinen Bereich anbelangt, mittlerweile ein alter Hase. Fast die Hälfte seiner Zuhörer - das zeigte eine kurze Umfrage unter den Schülern - hatte die Notaufnahme bereits aus eigenem Erleben kennenlernen müssen. Er erläuterte das Triage-Modell und wieso es teilweise zu den langen Wartezeiten kommt. Andererseits wo sonst bekäme man an einem Tag Laborergebnisse, Röntgenaufnahmen, MRT oder CT-Befunde plus eine Behandlung innerhalb eines Tages? Dafür braucht der Patient außerhalb des Krankenhauses eher Monate als Wochen - schon allein aufgrund der mitunter schwierigen Terminfindung.
Der leitende Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, Marek Rayzacher, machte die Arbeit eines Chirurgen für die Schüler erlebbar. An einem künstlichen Knochens zeigte er nicht nur wie mittels einer Titanschiene ein Bruch geschient wird, sondern ließ die Schüler anschließend selber mitbohren und -schrauben. Dabei verwendete er natürlich nicht den 40.000 Euro teuren Spezialbohrer aus dem OP, sondern den gewöhnlichen aus dem Baumarkt. Die Vorstellung des bis zu 25 cm langen Markknochens, der bei bestimmten Brüchen zur Stabilisierung in den Knochen gehauen wird, ging so manchem Zuhörer im wahrsten Sinnes des Wortes durch Mark und Bein.
Jakob Silbernagl, Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin II, widersprach dem Popsong, "Ein Herz kann man nicht reparieren". Im Herzkatheder demonstrierte er wie Arterienengpässe durch einen Stent oder Ballon behoben werde können. Besonders haften blieb, wie viel Druck solch ein winziges Ballönchen aushält. Der Kardiologe demonstrierte es und brachte Millimeter kleine Teil bei einem Druck von mehr als zehn bar zum Knallen. Zum Vergleich: Ein gut aufgeblasener Autoreifen verträgt gerade mal drei bar.
Derart inspiriert ging es in die Abschlussrunde mit Madeleine Schenk aus der Pflegedienstleitung und Johannes Lapius, Stationsleiter auf der Kardiologie, um den Beruf im Klinikum mit den meisten Beschäftigten. Mehr als 600 Pflegekräfte sind im Klinikum tätig, die klinikeigene Pflegeschule bildet verteilt auf drei Jahre - so lange dauert die Ausbildung zur Pflegefachkraft - 300 Schüler aus. Damit muss aber längst nicht Schluss sein wie Pia Schade aus der Personalabteilung ausführte und ihre Ko-Referenten anhand der eigenen Berufswege untermauerten. Wer willens ist, kann sich in vielfältige Fortbildungen stürzen und seinen Aufstieg durch ein berufsbegleitendes Studium befeuern.
Noch ist es zu früh, um zu sagen, ob ein Schüler aus dem Philanthropinum als Mitarbeiter im Klinikum, dem größten Arbeitgeber der Stadt, landen wird, aber gewiss ist, dass nach diesen Tag viele mit vielen neuen Eindrücken gegangen sind und sich vermutlich von dem einen oder anderen Vorurteil verabschiedet haben. Oder wie es die begleitende Lehrerin Katharina Streitberger formulierte: "Für unsere Schüler ist der Besuch des Klinikums der absolute Höhepunkt der Projektwoche."




