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Patiententag: Geschichten und eine gemeinsame Botschaft

Zum zweiten Patiententag „andersrum“ hatte das Onkologische Zentrum des Städtischen Klinikums Dessau am 23. September 2026 eingeladen. Drei jetzige und ehemalige Patienten berichteten offen über ihre Krebserkrankung, die Diagnostik, die Therapien und Rückschläge – und über das, was ihnen in dieser Zeit Halt gab. So unterschiedlich ihre Geschichten waren, verband sie eine Botschaft: nicht aufgeben.

Die Idee für diesen Perspektivwechsel brachte Simone Pareigis von der Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale) nach Dessau-Roßlau. Das Team um Prof. Dr. med. Gerhard Behre, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Leiter des Onkologischen Zentrums, griff den Vorschlag auf und setzte ihn zum wiederholtem Male um. Eigentlich sollte es an diesem Nachmittag insbesondere um das Gespräch zwischen Arzt und Patient gehen. Im Verlauf der persönlichen Berichte rückte jedoch zunehmend eine andere Frage in den Mittelpunkt: Was hilft Menschen dabei, eine schwere Erkrankung und oft belastende Therapien durchzustehen?

Peter Landgraf erhielt 2025 die Diagnose Liposarkom. Sein Hausarzt überwies ihn an das Städtische Klinikum Dessau, wo er im September 2025 von Prof. Dr. med. habil. Peter Würl, Chefarzt  der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, operiert wurde. Dabei entfernte das Team einen fast fußballgroßen Tumor mit einem Gewicht von rund acht Kilogramm. An die Gespräche mit den behandelnden Ärzten erinnerte sich Landgraf sehr positiv. Auch die Operation sei gut verlaufen. Danach folgte jedoch eine Chemotherapie, die ihn körperlich und emotional stark forderte. „Die Chemo war für mich nicht einfach“, sagte Landgraf. Er verlor seine Haare und rund 15 Kilogramm Körpergewicht. Besonders dankbar sei er seiner Frau gewesen, die ihn während der gesamten Behandlung unterstützte.

Landgraf sprach aber auch offen über Dinge, die aus seiner Sicht besser hätten laufen können. Dazu gehörten das Essen, die Fernsehtechnik sowie ein aus seiner Sicht unnötig langer stationärer Aufenthalt. Prof. Behre dankte ihm ausdrücklich für diese Hinweise. Gerade Krebspatienten hätten häufig einen langen und belastenden Weg vor sich. Umso wichtiger sei es, neben einer bestmöglichen medizinischen Behandlung auch die Bedingungen rund um die Therapie immer wieder aus Patientensicht zu betrachten. Auch Landgrafs Frau bestätigte, dass sie die Gespräche mit den Ärzten während der Behandlung als sehr gut erlebt habe. Heute geht es Peter Landgraf wieder gut.

Renate Simolke war 73 Jahre alt, als sie 2023 die Diagnose Akute Myeloische Leukämie erhielt. „Als ich das hörte, dachte ich, ich hätte mich verhört“, erinnerte sie sich. Was die Ärzte ihr anschließend über die Erkrankung und die nächsten Schritte erklärten, nahm sie zunächst kaum wahr. Zu groß sei der Schock gewesen. Ihr Mann hörte deshalb besonders genau zu, stellte Fragen und half ihr später dabei, die Informationen einzuordnen.

Die Behandlung begann im Onkologischen Zentrum des Klinikums. Zunächst vertrug Renate Simolke die Therapie gut, ambulante und stationäre Behandlungsphasen wechselten sich ab. Im Januar 2024 wurde sie mit einer guten Prognose entlassen. Doch im Sommer desselben Jahres kehrte die Erkrankung zurück. Es folgten weitere intensive Chemotherapien auf Station 16. Für Simolke sei damals klar gewesen, dass sie kämpfen wollte. „Mein Wille zum Leben hat letztlich gesiegt“, sagte sie rückblickend. Ihre Botschaft an andere Patienten war entsprechend eindeutig: nicht aufgeben und die eigene Zuversicht nicht verlieren.

Ihr wichtigster Unterstützer sei ihr Mann gewesen. Aber auch während der langen Krankenhausaufenthalte fand sie eigene Wege, mit der Situation umzugehen. Wenn die Nebenwirkungen der Chemotherapie sie nachts nicht schlafen ließen, schaute sie Filme und Videos. Häufig ließ sie sich Strickzeug mitbringen. Irgendwann hätten die Pflegekräfte schon gewusst: „Frau Simolke strickt, dann geht es ihr gut.“ Über die Betreuung auf Station 16 fand sie klare Worte: „Ich lasse nichts auf Ärzte und Pfleger kommen.“ Gleichzeitig äußerte auch sie einen konkreten Wunsch. Belastungstests oder Untersuchungen der Lungenfunktion unmittelbar nach einer intensiven Chemotherapie seien aus Patientensicht nur schwer zu bewältigen und sollten stärker mit dem tatsächlichen Zustand der Patienten abgestimmt werden.

Im März 2026 erhielt Renate Simolke an der Universitätsmedizin Magdeburg eine Knochenmarksspende. Am 15. April 2026 konnte sie wieder nach Hause zurückkehren. Inzwischen haben sich auch die Abstände zwischen ihren Kontrollterminen vergrößert – von zunächst zwei Wochen über vier Wochen auf mittlerweile sechs Wochen. Ihr Dank galt dem gesamten Team des Onkologischen Zentrums. Ihre wichtigste Erfahrung fasste sie noch einmal zusammen: positiv bleiben, nicht aufgeben und den Willen behalten, weiterzumachen.

Alexander Buba ist 47 Jahre alt und befindet sich derzeit noch in Behandlung. Über viele Jahre war er regelmäßiger Blutspender. Bei einer Blutspende fiel schließlich ein deutlich zu niedriger Hämoglobinwert auf. Weitere Untersuchungen führten zur Diagnose eines T-Zell-Lymphoms. Buba wurde daraufhin direkt an das Onkologische Zentrum überwiesen. Dort, berichtete er, seien ihm die Erkrankung und die einzelnen Behandlungsschritte von Beginn an ausführlich erklärt worden.

Seine Chemotherapie erhält Buba jeweils an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Danach kann er wieder nach Hause zurückkehren. Gerade das ist für ihn besonders wichtig: im eigenen Bett schlafen zu können und damit ein Stück Normalität zu behalten.

Die bisherige Therapie hat allerdings noch nicht so angeschlagen wie erhofft. Bis zum nächsten Behandlungsschritt erhält Alexander Buba deshalb im Städtischen Klinikum Dessau eine Therapie mit bispezifischen Antikörpern. Anschließend ist an der Universitätsmedizin Magdeburg eine CAR-T-Zell-Therapie vorgesehen.

Aufgeben kommt für Alexander Buba nicht infrage. „Ich will meine Kinder aufwachsen sehen“, sagte er. Haarverlust oder Gewichtsabnahme seien für ihn angesichts dieses Ziels zweitrangig. Entscheidend sei, weiterzumachen. Auch Buba hob die Betreuung im Klinikum hervor. Besonders das Team der Station 16, die Pflegekräfte und die Ärzte unterstützten ihn während seiner Behandlung.

Den Abschluss des Nachmittags gestaltete Simone Pareigis von der Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale). Sie berichtete über die Arbeit der Selbsthilfegruppe, über ihre eigene Krebserkrankung und über Spätfolgen, mit denen sie bis heute lebt. Gerade diese eigene Erfahrung prägt ihre Arbeit mit anderen Betroffenen. Selbsthilfe, machte Pareigis deutlich, könne auffangen, Orientierung geben und Menschen miteinander verbinden, die viele Ängste und Erfahrungen teilen.

Der zweite Patiententag zeigte vor allem, wie wichtig es ist, die Behandlung auch mit den Augen der Patienten zu sehen. Ihre Geschichten machten deutlich, dass eine Krebserkrankung weit mehr ist als eine Diagnose und ein Therapieplan. Sie verändert den Alltag, fordert Kraft und Geduld – und sie zeigt, wie wichtig Menschen sind, die begleiten, zuhören und Mut machen.

So unterschiedlich die drei Krankheitsgeschichten auch waren, eine Botschaft zog sich durch alle Berichte: nicht aufgeben. Familie, Ärzte und Pflegekräfte können dabei ebenso Halt geben wie die eigene Zuversicht. Gleichzeitig wurde deutlich, dass ein offener Austausch auch kritische Hinweise braucht. Gerade Rückmeldungen zu Abläufen oder Untersuchungen helfen dabei, die Behandlung und den Aufenthalt für Patienten weiter zu verbessern.

Zum Abschluss dankte Prof. Behre den drei Patienten für ihre Offenheit sowie Simone Pareigis, Janne Schatz, Koordinatorin des Onkologischen Zentrums, und Dr. med. Anke Rockstroh, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin I und Fachärztin für Innere Medizin sowie Hämatologie und Onkologie, für die Vorbereitung und Begleitung des Patiententages.

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