Neuer OP-Roboter für den Kniegelenkersatz am Klinikum Dessau

Das Städtische Klinikum Dessau erweitert sein operatives Behandlungsspektrum in der Endoprothetik. Ab November kommt im zertifizierten Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) die VELYS™ Robotic-Assisted Solution (VRAS) von Johnson & Johnson MedTech zum Einsatz. Das Robotersystem unterstützt die Operateure beim Einsatz künstlicher Gelenke – vorerst Knieersatz - und ermöglicht eine noch präzisere Anpassung der Implantatposition an die individuelle Anatomie des Patienten. Die erste Operation ist für den 10. November 2026 geplant.
Mit dem neuen System setzt das Klinikum auf die neuste Generation robotischer Operationstechnik. Eine technische Besonderheit: VELYS benötigt für die Operationsplanung keine zusätzliche Computertomographie (CT) Untersuchung. Stattdessen werden die anatomischen Verhältnisse direkt während des Eingriffs erfasst und ausgewertet. Das ermöglicht eine individuelle Planung auf Grundlage der tatsächlichen Gelenksituation. Vor allem schont es aber die Patienten vor Strahlung und Terminaufwänden.
Präzision während der gesamten Operation
„Das Kniegelenk ist biomechanisch ausgesprochen komplex. Beim Gelenkersatz kommt es nicht allein darauf an, die Prothese korrekt einzusetzen. Entscheidend sind auch die Beinachse, die Bandspannung und das Zusammenspiel der Gelenkflächen bei der Bewegung“, erklärt Dr. med. Marek Rayzacher, Leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Koordinator des EPZmax. Er wird die erste robotergestützte Knieoperation am Klinikum durchführen.
Das VELYS-System arbeitet mit optischen Trackern, Infrarottechnologie und einer Hochgeschwindigkeitskamera. Während der Operation werden die Stellung und Bewegungsverhältnisse des Kniegelenks in Realzeit erfasst. Die Daten stehen dem Chirurgen unmittelbar zur Verfügung und fließen in die Planung und Ausführung der Knochenschnitte ein. Auch die Stabilität des Gelenks und die Spannung der umgebenden Bänder können bei der Positionierung der Prothese berücksichtigt werden.
„Wir erhalten während der Operation sehr genaue Informationen darüber, wie sich das Knie verhält und welche Auswirkungen die geplante Implantatposition auf die Gelenkmechanik hat. Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer konventionellen Instrumentierung oder den älteren Systemen am Markt“, erläutert Rayzacher.
Der Roboter operiert dabei nicht selbstständig. Sämtliche Entscheidungen und die Führung der Instrumente bleiben in der Verantwortung des Operateurs.
Wie Patienten davon profitieren
Für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Kniearthrose kommt es vor allem darauf an, dass das künstliche Gelenk möglichst natürlich bewegen lässt und langfristig zuverlässig funktioniert. Die exakte Ausrichtung der Prothesenkomponenten und eine ausgewogene Bandspannung sind dafür wichtige Voraussetzungen.
Robotergestützte Verfahren können die Genauigkeit der Implantatpositionierung auf ein neues Niveau anheben. Erste klinische Untersuchungen zum VELYS-System zeigen zudem für die frühere Erholung nach dem Eingriff.
Erfahrung und moderne Technik im zertifizierten Zentrum
Für Falk Sonnabend, Leiter des Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung, ist die Einführung des Systems ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Dessauer Gelenkchirurgie.
„Wir verfügen über ein erfahrenes Team von mehr als fünf so genannten Senioroperateuren, dass sich täglich mit komplexen Eingriffen an Hüfte und Knie beschäftigt. Mit dem VELYS Roboter ergänzen wir diese operative Erfahrung um eine Technologie, die uns zusätzliche Informationen liefert und die Präzision beim Gelenkersatz weiter verbessern kann“, erklärt Sonnabend. „Entscheidend ist für uns, dass die Technik einen konkreten Nutzen für die Behandlung unserer Patienten hat.“
Das Dessauer Endoprothetikzentrum ist seit 2019 als Zentrum der Maximalversorgung nach EndoCert® zertifiziert und hat im September 2026 erneut erfolgreich die Rezertifizierung absolviert. Damit erfüllt es die hohen Qualitäts- und Strukturanforderungen an die spezialisierte Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken. Neben der operativen Behandlung gehören eine abgestimmte stationäre Versorgung, frühzeitige Mobilisation und die Organisation der anschließenden Rehabilitation zum Behandlungskonzept.
Auch für Bjoern Saft, Kaufmännischer Direktor und 1. Betriebsleiter des Städtischen Klinikums Dessau, steht bei der Anschaffung des neuen Systems der Nutzen für die Patienten im Mittelpunkt.
„Wir investieren nicht in neue Technik, nur weil sie modern ist. Entscheidend ist, dass unsere Patienten davon profitieren. Mit VELYS stärken wir gezielt einen Bereich, in dem unser Klinikum bereits eine hohe medizinische Qualität bietet. Dies zeigt auch die jüngste Auszeichnung der AOK in der wir mit Höchstnote in diesem Bereich ausgezeichnet wurden. Unser Anspruch ist, dass die Menschen in Dessau-Roßlau, der Region Anhalt und darüber hinaus auch künftig auf eine hochwertige Versorgung direkt vor Ort vertrauen können. Dafür werden wir weiter in moderne Medizintechnik, qualifizierte Mitarbeiter und gute Behandlungsbedingungen investieren“, sagt Saft.
Mit der robotergestützten Knieendoprothetik erweitert das Städtische Klinikum Dessau sein Angebot für Patienten mit fortgeschrittenem Gelenkverschleiß. Auch bei anspruchsvollen Eingriffen können sie damit auf die Erfahrung spezialisierter Operateure und die umfassenden Versorgungsmöglichkeiten eines Krankenhauses der Maximalversorgung zurückgreifen.
Einblick in die neue Technik: Am Mittwoch, 18. November 2026, wird die robotergestützte Kniechirurgie auch bei der Patientenakademie „Medizin am Mittwoch“ des Städtischen Klinikums Dessau vorgestellt. Beginn ist um 16 Uhr.




